Eindrücke des Juli-Camps 2015 - von Norbert Ruckenbauer

Von der Donau zur Thaya: Die ältesten Junior Ranger des Nationalpark Donau-Auen besuchen den Nationalpark Thayatal.

Mit großen wachen Augen schaut Frieda nach oben. Man kann die Spannung förmlich sehen. Irgendwo muss doch …!? Da! Sie hat’s! Nach wenigen Sätze am Stamm hinauf, kehrt Frieda mit Futter zum Boden zurück. Eine Gruppe Jugendlicher steht gebannt am Wildkatzengehege und beobachtet die spannende Suche. Es sind Junior Ranger aus dem Nationalpark Donau-Auen auf Besuch im Nationalpark-Zentrum Thayatal.

Schon vor zwei Jahren besuchten die Junior Ranger den Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel. Letztes Jahr verbrachten sie sogar eine ganze Woche im Nationalpark Gesäuse. Da war die diesjährige Fahrt ins nördliche Niederösterreich fast logisch.

Auch hier im Thayatal sollte ein Kraftwerk errichtet werden, erzählt Theresia Markut, die Nationalpark-Rangerin, bei einer Wanderung. Mit dem Blick hinunter nach Hardegg kann man den Schrecken für Natur und Kultur erahnen. Das ganze Tal mitsamt der kleinesten Stadt Österreichs wäre hier unter den Fluten versunken. Es ist anders gekommen. Auch das verbindet die beiden niederösterreichischen Nationalparks!
Die „Natur“ kennt Grenzen und schafft Grenzen. Länder, Nationen oder politische Systeme sind ihr aber gleichgültig. Hier im Thayatal haben es Menschen geschafft von beiden Seiten ihrer Grenzen der Natur Raum zurückzugeben. Der tschechische Nationalpark Podyjí trifft auf den österreichischen Nationalpark Thayatal. Die Wanderung der Junior Ranger führt durch beide Seiten. In Cizov steht noch ein letzter Abschnitt des ehemaligen „Eisernen Vorhangs“. Diese Todeszone wurde zu einem Lebensband, dem „Grünen Band“ durch Europa. Naturschutz kann eben nur funktionieren, wenn er nicht an den Grenzen von Nationalparks und Ländern haltmacht.

Die Junior Ranger der ersten Generation sind erwachsen geworden. Sie, die als Kinder aus Anrainergemeinden des Nationalpark Donau-Auen eingestiegen sind, reden jetzt über Matura, Lehrabschlüsse und Berufswahl. Für manche Junioren ist heuer die letzte Camp-Woche im Nationalpark Donau-Auen.
Viele unterschiedliche Naturschutzarbeiten haben sie in den letzten Jahren mitgetragen. Holzstämme für eine Hirschkäferwiege gerollt, Schilf für eine Wildbienen-Nisthilfe geschnitten, Bretter für Fledermauskästen geschraubt. Und dieses Jahr in Begleitung der Schildkrötenexpertin Maria Schindler bei der Gelegekontrolle am Schutzdamm geholfen.

Zurück in Hardegg ist bei der Gruppe Müdigkeit ausgebrochen. Das friedliche Rauschen der Thaya überlagert die gedämpften Gespräche. Im Schatten der Bäume warten die Junior Ranger auf die Autos. In zwei Stunden werden sie zurück im Nationalpark Donau-Auen sein. Der Horizont ist wieder ein Stück weiter geworden.

Nationalpark-Ranger
Norbert Ruckenbauer

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